Nur ein kleiner Pieks! Impfungen schützen vor schweren Erkrankungen

Die immer noch anhaltende Masernepidemie in Baden-Württemberg und Bayern macht deutlich, wie wichtig Schutzimpfungen sind. Hier traten bis Ende Juni dieses Jahres zusammen 644 Masernfälle auf (gesamte Bundesrepublik 843 Fälle). Bei Masern handelt es sich um eine hoch ansteckende Virusinfektion, die keinesfalls immer harmlos verläuft! Sie kann zu schwerwiegenden Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündung und sogar zum Tod führen. Lebenslangen Schutz bietet die Masernschutzimpfung, nur leider sind viele Menschen nicht geimpft!

Was geschieht bei einer Impfung? Bei der so genannten aktiven Immunisierung werden dem Körper abgeschwächte oder abgetötete Erreger beziehungsweise Erregerbestandteile verabreicht. Wie bei einer richtigen Infektion reagiert das ausgeklügelte Abwehrsystem des Körpers mit der Bildung von Antikörpern, um die Eindringlinge unschädlich zu machen. Einige dieser Antikörper bleiben auch später noch im Blut. Außerdem wird ein körpereigenes erregerspezifisches „Abwehrgedächtnis“ gebildet, durch das der Körper bei erneutem Kontakt mit dem Erreger sofort reagieren und sehr schnell die passenden Antikörper produzieren kann. Dadurch wird dann eine Infektion verhindert. Für einen vollständigen Impfschutz ist eine Grundimmunisierung nötig, bei der abhängig vom Impfstoff eine bestimmte Anzahl von Teilimpfungen in bestimmten Zeitabständen durchgeführt wird. Bei einigen Erkrankungen reicht sogar eine Impfung.

Ist die Grundimmunisierung abgeschlossen, ist der Körper mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte vor dieser Erkrankung geschützt. Bei Ablauf dieser Schutzzeit, die z. B. bei Diphtherie, Wundstarrkrampf und Kinderlähmung 10 Jahre beträgt, wird eine Auffrischimpfung verabreicht. Es kommt dann zu einer sehr starken und schnellen Antikörperproduktion durch das „Abwehrgedächtnis“, das sich bei der Grundimmunisierung entwickelt hat, und der Körper ist wieder für Jahre gegen die Infektion gewappnet.

Bei der passiven Immunisierung werden dem Patienten aus men-schlichem oder tierischem Blut gewonnene Antikörper gegen den jeweiligen Erreger gespritzt. Dieses erfolgt dann, wenn eine aktive Impfung aus Zeitmangel vor einer Reise nicht mehr möglich ist (z. B. Hepatitis A) oder eine Infektion befürchtet wird (z. B. Tetanus bei Verletzungen). Die verabreichten Antikörper sind sofort wirksam und vernichten den Erreger in kürzester Zeit. Da sie vom Menschen wieder abgebaut und nicht nach-produziert werden, hält dieser Schutz nur maximal 3 Monate an.

Ihren Impfschutz können Sie anhand Ihres Impfausweises in der Arztpraxis oder Ihrer Apotheke überprüfen lassen. Hier erhalten Sie auch wichtige Tipps, welche Impfungen für eine Reise sinnvoll sind.

Anja Hillen
Apotheke im Medeum, Stade

(publiziert im Stader Tageblatt)